Igelwissen

Wissenswertes

Igel gehören zu den faszinierendsten heimischen Wildtieren in Mitteleuropa. Es gibt sie in ihrem jetzigen Aussehen seit 15 Mio. Jahren.

Biologie des Igels

Der Europäische Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) ist ein nachtaktives Säugetier, das zur Familie der Insektenfresser gehört. Er ist an seinem stacheligen Rücken leicht zu erkennen, der aus etwa 5.000–8.000 Stacheln besteht. Diese dienen als natürlicher Schutz vor Fressfeinden.

Igel haben einen ausgeprägten Geruchssinn und ein sehr gutes Gehör, während ihr Sehvermögen eher schwach ist. Sie ernähren sich hauptsächlich von Insekten, Würmern, Schnecken (in geringer Anzahl) und anderen kleinen wirbellosen Tieren.

Im Herbst fressen Igel sich eine Fettschicht an, um den mehrere Monate dauernden Winterschlaf zu überstehen: das sogenannte braune Fett, im Nackenbereich.

Das Igel-Jahr

Die Aktivitätszeit des Igels ist von April bis Oktober. In dieser Zeit muss der Igel alles erledigen: Reserven auffüllen, Nestbau, Nachwuchs bekommen und aufziehen, vom Nachwuchs erholen und sich wieder auf Winterschlaf vorbereiten.

April

Ab April etwa wachen Igel völlig entkräftet und ausgezehrt aus dem Winterschlaf auf. Ihre Fettreserven sind aufgebraucht. Vor allem kleine Jungtiere und schwache Igel jedoch wachen teilweise schon im März oder noch früher auf und benötigen unbedingt Hilfe.

Wenn es recht früh schon tagsüber warm wird, aber nachts noch kalt (unter 8 Grad) ist, wachen die Igel auf, aber ihre Nahrung, die Insekten, ist noch nicht zu finden. Die Laufkäfer etc., von denen sich die Igel ernähren, sind erst aktiv, wenn es Tag und Nacht durchgehend über 8 Grad hat.

In dieser Zeit ist es sinnvoll, den Igel zuzufüttern, um ihm zu helfen, seine Reserven wieder aufzufüllen.

In den folgenden Monaten hat der Igel einiges zu tun: zunehmen, um nach dem Winterschlaf wieder ein normales Gewicht zu erreichen, verlässliche Nahrungsquellen finden, Tagesnester bauen, sich auf den Nachwuchs vorbereiten.

August

Ab August kommt in unserer Region der Igelnachwuchs. Igelmütter bekommen im Schnitt 3–5 Babys und säugen sie 6 Wochen lang. Drei Wochen davon sind sie reine Nesthocker und absolut abhängig von ihrer Mutter. In dieser Zeit benötigt die Igelmutter sehr viel Nahrung und ist teilweise auch tagsüber (das ist die einzige Ausnahme, in der Tagaktivität eines Igels normal ist) auf Futtersuche unterwegs, da sie ihren Nachwuchs nicht so lange am Stück allein lassen kann.

Nach etwa 6 Wochen sind die Igeljungen selbstständig, ziehen los und suchen sich ein eigenes Revier.

Bis Oktober/November müssen sowohl die Igelmutter als auch die Jungtiere es schaffen, sich ihr Winterschlaf-Fett anzufressen (Jungigel sollten im November etwa 550 g wiegen, damit sie den Winterschlaf überstehen können). Je später die Igeljungen zur Welt kommen, desto schwieriger ist das, denn je später im Jahr, desto weniger Insekten sind aktiv und desto weniger Nahrung finden die Igel.

Oktober/November bis April

Der Igel baut sich ein dichtes Nest aus Laub, das er durch ständiges Drehen im Inneren verdichtet, um eine möglichst gute Isolation zu erreichen. Drei Faktoren spielen zusammen, damit der Körper des Igels langsam in den Winterschlafmodus wechselt:

  • Nahrungsknappheit (ihre Futter-Insekten sind nur bis etwa 8 Grad Außentemperatur zu finden)
  • kürzere Tage
  • Temperatur

Winterschlaf:
Der Igel fährt alle Stoffwechselfunktionen auf ein Minimum herunter, er hat nur noch etwa 20 Herzschläge und 5 Atemzüge pro Minute. Seine Körpertemperatur fällt auf Außentemperatur ab, bis auf 5 Grad.

In dieser Zeit zehrt der Igel von seinen Fettreserven, dem braunen Fett im Nacken. Wenn dieses aufgebraucht ist, wacht er auf. Igel, die mit zu wenig Fettreserven schlafen gegangen sind, wachen deshalb teilweise schon im Januar auf, haben dann allerdings absolut keine Chance, Nahrung zu finden. Wer im Winter einen Igel findet, der tagaktiv ist, sollte ihn unbedingt sichern und eine Igelstation oder einen igelkundigen Tierarzt kontaktieren.

Igel verlieren 30–40 % ihres Körpergewichts während des Winterschlafs.

Wichtig:
Besonders kräftezehrend sind die immer häufigeren „nicht richtigen“ Winter, in denen es zwischenzeitlich immer wieder wärmer ist. In diesen Phasen wacht der Igel auf und sucht verzweifelt nach Nahrung. Leider ist aber jedes Aufwachen mit enormem Energieverlust verbunden, was den Igel wieder Kraft und Fettreserven kostet.

Lebensraum und Verhalten

Igel sind Einzelgänger, reviertreu und bevorzugen als Kulturfolger strukturreiche Lebensräume wie Gärten, Hecken, Waldränder und Parks. Sie sind nachts aktiv und legen dabei große Strecken zurück, um Nahrung zu finden oder um sich zu paaren.

Moderne Landschaften und versiegelte Flächen erschweren ihnen jedoch zunehmend das Überleben, da Nahrung und Verstecke fehlen.

Gefährdung des Igels

In den letzten Jahrzehnten sind die Bestände der Igel stark zurückgegangen. Gründe dafür sind unter anderem:

  • Straßenverkehr
  • Einsatz von Pestiziden und Insektiziden
  • Mangel an Insekten als Nahrung (Insektenschwund 80 %)
  • Aufgeräumte und sterile Gärten ohne Rückzugsräume und ohne durchlässige Zäune
  • Mähroboter und Gartengeräte

Der Igel steht deshalb seit 2024 auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten und ist ein besonders geschütztes Wildtier.

Der igelfreundliche Garten

Unsere Gärten können für Igel ein wichtiger Lebensraum sein – oder leider auch eine Gefahr. Mit nur wenigen einfachen Maßnahmen lässt sich ein Garten in ein sicheres Zuhause für die kleinen Wildtiere verwandeln.

Igel brauchen naturnahe Gärten mit genügend Versteckmöglichkeiten, Nahrung und geschützten Rückzugsorten. Besonders wichtig sind wilde Ecken mit Laub, Reisighaufen oder heimischen Pflanzen. Dort finden Igel nicht nur Schutz, sondern auch ihre natürliche Nahrung wie Käfer, Würmer und andere Insekten.

Ein igelfreundlicher Garten bedeutet außerdem:

  • keine Gifte oder Schneckenkorn verwenden
  • Durchgänge im Zaun schaffen, damit Igel wandern können
  • Laub im Herbst teilweise liegen lassen
  • heimische Pflanzen statt Schotterflächen nutzen
  • Wasserstellen bereitstellen, besonders im Sommer

Schon kleine Veränderungen helfen dabei, den Lebensraum unserer heimischen Igel zu schützen. Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass sie auch in Zukunft einen sicheren Platz in unseren Gärten finden.

Gefahren für Igel

Unsere heimischen Igel sind heute vielen Gefahren ausgesetzt. Durch den Verlust natürlicher Lebensräume und zahlreiche Risiken in Gärten und im Straßenverkehr wird ihr Überleben immer schwieriger.

Besonders gefährlich sind Mähroboter und Motorsensen. Da Igel bei Gefahr nicht flüchten, sondern sich zusammenrollen, erleiden viele Tiere schwere Verletzungen – oft mit tödlichen Folgen. Deshalb sollten Mähroboter niemals nachts oder in der Dämmerung bzw. im Morgengrauen eingesetzt werden.

Auch der Straßenverkehr stellt eine große Gefahr dar. Vor allem in den Abend- und Nachtstunden werden viele Igel überfahren, wenn sie auf Nahrungs- und Partnersuche unterwegs sind.

Weitere häufige Gefahren sind:

  • Schneckenkorn und andere Gifte
  • offene Lichtschächte, Kellertreppen oder Pools
  • Zäune ohne Durchgänge
  • aufgeräumte Gärten ohne Versteckmöglichkeiten
  • Feuerstellen oder Reisighaufen, die vor dem Anzünden nicht kontrolliert werden
  • Plastikmüll und Netze, in denen sich Igel verfangen können

Besonders problematisch ist außerdem der Rückgang von Insekten. Igel finden dadurch immer weniger natürliche Nahrung und geraten geschwächt in den Winter.